Wie teile ich den Internetzugang in einem Netzwerk?
Nachdem bereits das Einrichten eines kleinen Netzwerkes erläutert wurde, möchte ich in diesem Beitrag die Einrichtung und Technik des Teilens einer Internetverbindung beschrieben. Der erste Teil beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen von Proxies und Router, der zweite Teil erklärt jeweils ein Beispiel. Auf die Nutzung der Internet Connection Sharing (ICS) Funktion von Windows wird in diesem Beitrag nicht eingegangen, da ich damit keinerlei Erfahrungen habe und ich diese aufgrund der vielen Probleme (siehe Protecus.de Forum) auch nicht für empfehlenswert halte. Im dortigen FAQ gibt es sehr viele Links zum Thema ICS.
Was ist ein Proxy? - Wie funktioniert er?
Der Begriff Proxy stammt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie Stellvertreter.
Der Duden äußert sich wie folgt: Pro|xy|ser|ver [[... ] ] der; -s, - : Server, der bei Providern, Firmen mit Anschluss ans Internet u. bei Intranets als Zwischenspeicher dient (Datenv.)
Ein Proxy ist eine Software, welche Anfragen von Clients (Browsern) entgegen nimmt und diese an das beabsichtigte Ziel weiterleitet. Das Ergebnis der Anfrage wird vom Ziel (WWW-Server) an den Proxy übermittelt, welcher seinerseits dem Client die geforderte Seite zurückliefern kann. Die Arbeitsweise kann somit wie folgt dargestellt werden:

Funktionsweise eines Proxy-Servers
Ein Proxy hat also sozusagen zwei Gesichter:
- Gegenüber einem Client sieht er aus wie ein WWW-Server
- Gegenüber einem WWW-Server sieht er aus wie ein Client
Diese Technik ermöglicht es, daß eine Vielzahl von Rechnern gleichzeitig das Internet nutzen, ohne, daß für jeden eine seperate Verbindung aufgebaut werden muß. Die Proxy-Software übernimmt dabei die komplette Verwaltung der verschiedenen Nutzer und ermöglicht so eine einfache Konfiguration innerhalb des Netzwerkes. Den einzelnen Rechnern muß lediglich mitgeteilt werden, unter welcher Adresse der Proxy zu erreichen ist.
Proxyserver in einem Netzwerk
Beispielsweise lassen sich beim Internet Explorer diese Einstellungen unter Extras - Internetoptionen - Verbindung - LAN Einstellungen - vornehmen:

Einstellung eines Proxies für alle Verbindungen - Internet Explorer 5.5

Einstellung eines Proxies abhängig von den verwendeten Diensten - Internet Explorer 5.5
Die beiden Bilder zeigen, wie der Proxyserver bei den Rechnern im IE 5.5 eingestellt wird. Jeder gängige Browser hat eine ähnliche Einstellmöglichkeit. Wo diese zu finden ist, entnehmen Sie bitte der Hilfefunktion Ihres Browsers.
Ein klassischer Proxy bietet für jeden Dienst (Mail [SMTP, POP3, IMAP], Web [HTTP, HTTPS], FTP, ...) einen eigenen Proxy an. Dies bietet den Vorteil, daß die Verwendung einzelner Dienste vom Administrator / Verwalter erlaubt oder verboten werden kann. Es gilt der Grundsatz, daß nur der Dienst verwendet werden kann, der auch explizit erlaubt wird.
Proxy-Cache
Zusätzlich kann ein Proxy-Server einen großen Speicher (Proxy-Cache) besitzen, um angefragte Daten zwischenzuspeichern. Jede Anfrage wird in diesem Cache gespeichert und steht damit allen Nutzern eines Proxyservers zur Verfügung. Dies führt zu Einsparungen auf Seiten der Transferkosten und vermittelt den Nutzern das Gefühl eines schnelleren Zugriffs auf Webseiten. Der Nachteil diese Zwischenspeicherns liegt in der Aktualität der Seiten. Die Konfiguration eines solchen Caches hat demnach großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit eines Proxy-Servers, wird aber in diesem Beitrag nicht behandelt.

Funktionsprinzip eines Proxycaches
Was ist ein Router? - Wie funktioniert er?
Eine weitere Möglichkeit der gemeinsamen Nutzung einer Internetverbindung ist der Einsatz eines Routers. Im Beitrag über Netzgeräte wird die Funktionsweise aus technischer und philosophischer Sicht beschrieben. Hier soll es dagegen um die funktionale Sichtweise in Hinblick auf den gemeinsamen Internetzugang gehen.
Ein Router kann als Software und Hardware realisiert werden. Wird ein Hardware-Router eingesetzt, so übernimmt dieser die Kopplung zwischen dem privaten Netzwerk und dem Internet. Er besitzt dazu einen Anschluss für das interne Netzwerk (TP-Anschluss für normale Netzwerkkabel) als auch einen Anschluss für das verwendete Übertragungsmedium (analoge Telefonleitung [Modem], ISDN, DSL, ...). Zugangsdaten müssen direkt im Gerät (Konfiguration meist über HTTP- oder Telnet-Interface) eingegeben werden. Auch alle anderen Funktionen wie eine eventuell vorhandene Firewall werden direkt im Gerät konfiguriert. Die Telefonanlage Eumex 704 LAN von der Deutschen Telekom hat beispielsweise einen integrierten Router für DSL und ISDN. Die Konfiguration ist hier an einem speziellen Beispiel beschrieben.
Ein Hardwarerouter in einem Netzwerk
Bei einem Softwarerouter handelt es sich um einen normalen PC und eine spezielle Software. Der PC braucht neben der normalen Netzwerkkarte ebenfalls eine Verbindung zum Übertragungsmedium. Dies kann eine zweite Netzwerkkarte zum DSL-Modem, ein analoges Modem oder eine ISDN-Karte sein. Damit muß der Rechner die gleichen Vorausstzungen erfüllen, wie für den Einsatz einer Proxy-Software. Der Unterschied besteht in der Konfiguration der einzelnen Rechner im Netzwerk.
Ein Softwarerouter im Netzwerk
Egal ob ein Hard- oder Softwarerouter eingesetzt wird, die Konfiguration der Rechner ist gleich: Die Adresse des Routers muß jedem Client mitgeteilt werden. Dies geschieht indem man die Adresse des Routers als Standardgateway eingibt. Unter Windows wird dies in den Eigenschaften des TCP/IP Protokolls getan. Zu finden unter:
- Windows 95/98/ME: Start - Einstellungen - Systemsteuerung - Netzwerk
- Windows 2000 / XP: Start - Einstellungen - Systemsteuerung - Netzwerk- und DFÜ-Verbindungen - LAN-Verbindung - Eigenschaften
So sieht das unter Windows 2000 aus:

Eigenschaften Fenster der LAN-Verbindung

Eigenschaftenfenster von TCP/IP mit eingetragenem Standardgateway
In diesem Beispiel hat der Computer die Adresse 192.168.1.1 und der Router die Adresse 192.168.1.254 - diese muss bei allen Rechnern als Standardgateway eingetragen werden.
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externe Links:
empfehlenswerte Software:
- WinRoute Lite (Software-Router)
- Jana-Server (eines der besten Proxy- bzw. Serverprogramme)
- WinProxy (sehr gute, kommerzielle Proxysoftware mit vielen Features)
- Squid (Proxyserver für Linux)
- FLi4l (Routersoftware für Linux)
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